Eine im Handel verkaufte Website-Vorlage liefert 8 Wörter aus. Im Browser sind es 603. So messen Sie Ihre eigene Seite in zehn Sekunden nach.
Stellen Sie sich einen Laden mit einer großen Schaufensterscheibe vor, dahinter alles perfekt dekoriert. Aber die Scheibe ist von außen verspiegelt. Wer hineinschaut, sieht nur sich selbst. Genau so sehen KI-Systeme die meisten modernen Websites.
Ihre Website hat zwei Fassungen
Ihr Browser lädt zuerst ein Grundgerüst, führt dann JavaScript aus, holt Texte und Bilder nach und setzt daraus die fertige Seite zusammen. Das dauert Millisekunden, deshalb merken Sie es nicht.
KI-Systeme machen den zweiten Schritt nicht. Sie holen sich das ausgelieferte HTML und lesen, was drinsteht. Was erst im Browser entsteht, existiert für sie nicht. Google kann das teilweise nachvollziehen, KI-Crawler in aller Regel nicht. Was das für die eigene Sichtbarkeit heißt, steht auf KI-Sichtbarkeit.
Ein Beispiel, das jeder nachprüfen kann
Am 22. August 2026 haben wir eine im Handel angebotene Fintech-Website-Vorlage nachgemessen. Nicht eine Bastelseite, sondern die offizielle Verkaufs-Demo eines kommerziellen Vorlagen-Anbieters.
- Im Browser: 603 Wörter, 11 Zwischenüberschriften, 21 Bilder.
- Im ausgelieferten HTML: 8 Wörter. Alle acht stammen aus dem Seitentitel.
- Ohne JavaScript: null Wörter. Eine weiße Seite.
Für einen Menschen ist diese Seite tadellos. Für ein KI-System ist sie leer.
Und bei uns selbst
Wir sagen das nicht von oben herab. Am 20. August 2026 haben wir elf eigene Kundenwebsites nachgemessen. Blog- und Journal-Artikel lieferten dort zwischen 7 und 11 Wörtern aus. Bei einer Kundenseite war genau eine von 19 Seiten bei Google im Index, und die Startseite lieferte 135 Wörter.
Die Gegenprobe steht daneben: Eine Seite derselben Bauweise, aber ohne den Nachlade-Trick, liefert 1.337 Wörter aus. Es geht also. Es macht nur kaum jemand.
So messen Sie es selbst
curl -s https://ihre-domain.de | wc -wÖffnen Sie ein Terminal und setzen Sie Ihre eigene Adresse ein. Die Zahl, die herauskommt, ist ungefähr das, was ein KI-System von Ihrer Startseite sieht.
- Über 800: gut, die Seite hat Substanz im HTML.
- Zwischen 300 und 800: geht, aber es ist Luft nach oben.
- Unter 300: dünn. Google muss arbeiten, KI-Systeme geben auf.
- Unter 50: unsichtbar. Sie existieren für KI-Antworten nicht.
Was dagegen hilft
Die Ursache ist meistens eine einzige Einstellung: Die Seite wird bewusst erst im Browser aufgebaut, oft um einen kurzen Aufblitz-Effekt beim Laden zu vermeiden. Das ist eine Abwägung, die vor drei Jahren vertretbar war und heute Sichtbarkeit kostet.
Der Umbau ist Handwerk, kein Neubau: Inhalte serverseitig ausliefern, den ersten Bildschirm ohne JavaScript lesbar machen, die KI-Crawler in der robots.txt gezielt freigeben statt pauschal zu sperren (welche das sind und wie es geht). Wirkt beim nächsten Besuch des Bots.
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Ervin Keljic, AnimaContent, Oberhausen. Wir bauen Websites, schalten Werbung und messen, ob KI-Systeme unsere Kunden überhaupt kennen. Wenn in einem Beitrag eine Zahl steht, steht daneben, woher sie kommt.


